Einkommensunterschiede: Keine Spur von Gleichberechtigung
Nov 12, 2009 GADGETS

Gleichberechtigung? Welche Gleichberechtigung? HightechDivas aller (Bundes-)Länder auf die Barrikaden! Denn wie das Statistische Bundesamt heute Morgen in Wiesbaden bekannt gab, ist man in Deutschland leider noch weit entfernt von einer Gleichberechtigung, wenn’s um Gehälter geht. Die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen in Deutschland haben sich nicht verringert.
Wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte, haben Frauen 2008 mit durchschnittlich 14,51 Euro pro Stunde 4,39 Euro weniger als ihre männlichen Kollegen verdient. Damit lag der Unterschied beim durchschnittlichen Bruttostundenverdienst wie bereits in den Vorjahren konstant bei 23 Prozent.
Leichte Veränderungen lassen sich den Statistikern zufolge in Ost- und Westdeutschland feststellen. Während der Verdienstunterschied zwischen Männern und Frauen im Westen von 24 auf 25 Prozent stieg, sank er in den neuen Bundesländern von 6 auf 5 Prozent.
Die Unterschiede zwischen den Wirtschaftszweigen resultieren nach Behördenangaben unter anderem aus der Qualifikation der Beschäftigten. So sind in den Branchen mit hohem Lohnabstand Männer gegenüber Frauen oft in leitender Stellung beziehungsweise unter den herausgehobenen Fachkräften deutlich häufiger anzutreffen.
Aussagen zum Unterschied zwischen den Verdiensten von weiblichen und männlichen Beschäftigten mit gleichem Beruf oder vergleichbarer Tätigkeit sind laut Statistischem Bundesamt anhand der vorliegenden Zahlen nicht möglich. (ssk/tf/ddp) Photo http://www.flickr.com/photos/faceme/ / CC BY 2.0
Tags: Einkommen, Gleichberechtigung, Statistisches Bundesamt, Unterschiede










November 14th, 2009 at 18:13
Das ist echt eine Riesensauerei! Man sollte kaum glauben, dass wir das Jahr 2009 schreiben! Und was bitte denken sich diese Statistik-Fuzzis und Erbenszähler beim Statistischen Bundesamt eigentlich? “Aussagen zum Unterschied zwischen den Verdiensten von weiblichen und männlichen Beschäftigten mit gleichem Beruf oder vergleichbarer Tätigkeit sind laut Statistischem Bundesamt anhand der vorliegenden Zahlen nicht möglich”. Wie bitte? Kann mir das vielleicht mal jemand eklären was das soll?
Dezember 17th, 2009 at 13:41
Ich werde versuchen, es Ihnen zu erklären, Frau Beiermann. Es ist zwar unwahrscheinlich, dass Sie es verstehen, da Sie offensichtlich schon mit dem Mathematik-Unterricht der achten Klasse überfordert waren und deshalb die Statistik nicht verstehen können (so Sie diese denn überhaupt gelesen haben), aber ich bin von Natur aus Optimist.
Sie müssen strikt unterscheiden zwischen zwei Aussagen: a) Männer verdienen mehr als Frauen.
Dies ist korrekt, kennzeichnet aber keine Ungerechtigkeit.
b) Männer verdienen _für_die_gleiche_Arbeit_ mehr als Frauen.
Dies würde eine Ungerechtigkeit kennzeichnen, wenn es denn korrekt wäre. Ist es aber nicht. Denn das statistische Bundesamt vergleicht nicht gleiche Arbeit sondern Arbeit überhaupt. Und die ist bei Männern und Frauen höchst unterschiedlich. Beispiel: Studien- und Berufswahl. Wer lieber Kunstgeschichte oder vergleichende Literaturwissenschaft studiert statt Maschinenbau oder Informatik – bittesehr. Jeder soll bei uns nach seiner Facon glücklich werden, wie der alte Fritz schon sagte. Ebenso die Entscheidung zwischen Vollzeitarbeit oder Teilzeitarbeit. Oder die Zahl der geleisteten Überstunden. Diese Dinge flossen alle mit in die Statistik ein, ohne Unterschied. Nur darf man sich dann nicht beschweren, dass man dann ggf. weniger verdient als andere. Berufsaussichten oder Gehaltstabellen zu lesen ist keine Geheimwissenschaft. Jeder kann sich informieren und selbst entscheiden, was er aus diesen Informationen macht. Das heißt, das statistische Bundesamt hat mit anderen Worten nichts anderes gesagt (aber aus Gründen der political correctness harmloser formuliert) als was im Grunde alle schon wussten: selbst schuld!
Das ist natürlich frustrierend, denn mit dieser Kenntnis hat man sich selbst die Legitimation zum reflexartigen Aufschrei wegen vermeintlicher Ungerechtigkeit entzogen. Aber trösten Sie sich, den Fehler machen auch Profis. So hat beispielsweise während der letzten Legislaturperiode das Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und … hach der Name ist mir zu lang, sagen wir einfach das Ministerium für alles außer Männer … dieses Ministerium hat den gleichen Fehler begangen wie Sie: Es prangerte die große Ungerechtigkeit an und glaubte sich durch die Statistik selbstverständlich im Recht. Also hatte man auf der Website des Ministeriums für alles außer Männer eine entsprechende Meldung gesetzt. Nachdem aber diverse Verbände darauf hinwiesen, dass man damit eine Falschaussage tätigte, verschwand diese Meldung.
Übrigens gibt es böse Zungen, die behaupten, dass das statistische Bundesamt eine genauere Aufschlüsselung nach “gleichem Beruf oder vergleichbarer Tätigkeit” deshalb nicht verfolgt, weil dann sehr wahrscheinlich herauskäme, dass tatsächlich Frauen für die gleiche Arbeit mehr verdienen als Männer. Dies lässt sich ohne entsprechendes Zahlenmaterial natürlich nicht in dieser Pauschalität sagen, aber für gewisse Branchen haben das manche schon untersucht. Schließlich wurden die o.g. Argumente schon angefochten mit Worten wie z.B.: “Ja, aber bei den Ärzten, das ist doch ‘gleicher Beruf’, da verdienen Frauen weniger als Männer”. Richtig. Aber wie oben schon angedeutet gibt es erheblich mehr gehaltsbestimmende Faktoren als nur den Beruf. Also setzten sich Leute hin und sammelten Zahlenmaterial. Wie sieht es denn aus bei Ärzten, die eine eigenen Praxis betreiben? Da wird der Unterschied schon kleiner. Und wenn man zusätzlich nur die Chirurgen unter jenen betrachtet? Wird er noch kleiner. Das geht immer so weiter bis der Unterschied in einen Einkommensvorteil für Frauen umschlägt.
Was kann man für ein Fazit ziehen? Wer Geld verdienen will, verdient Geld. Wer sich der Illusion der Selbstverwirklichung hingeben will, gibt sich dieser Illusion hin. Denn nichts anderes als eine Illusion ist es. Die Firma, in der Wert auf Selbstverwirklichung gelegt wird, muss man mir erst noch zeigen. (”Also Herr Müller, Sie fühlen sich also berufen, Schrauben ohne Gewinde herzustellen? Nun denn, wir sind zwar darauf angewiesen, Schrauben mit Gewinde herzustellen, denn nur solche können wir auch verkaufen, aber wir wollen Ihrer Selbstverwirklichung nun wahrlich nicht im Wege stehen.”)
Viel Spaß auf den Barrikaden!